Ad Personam

Wieder gelesen: Gottfried Benn

Wenn es ihn gibt, dann war es Zufall, in einem Buch gelesen zu haben, das mit dem Titel «Gottfried Benn Der Dichter und sein Werk» nur Briefe enthält, aber was für welche. Eine kleine Exkursion.

Kennen Sie die? Die Momente der Vergeblichkeit, wenn Ihnen der ganze Bettelkram, die Scharr-Geräusche der Politik, der fünfte Versicherungsvertrag gegen Hühneraugen, die ethischen Balgereien der Tagesphilosophie, das Geschrei in den Schlachten um die Geschlechterhoheit, die pseudoreligiösen Mordphantasien von Fundamentalisten jeglicher Couleur, Bundesrats-Wahlprognosen, das Elend der Esoterik, die Wahnsinnigen in den Zwangsjacken des Spitzensportes und wenn Ihnen dann noch die tägliche Jauche der mehrheitlich degenerierten Medien geistige Nierenkoliken verursacht, wenn Sie also das kalte Grausen heimgesucht hat, dann könnte es Zeit werden, wieder einmal Benn zu lesen.

Vermutlich Sätze wie: «Erkenne die Lage! Rechne mit deinen Defekten, gehe von deinen Beständen aus, nicht von deinen Parolen. Vollende nicht deine Persönlichkeit, sondern die einzelnen deiner Werke.»

Und vielleicht hilft uns Verprügelten und Verprellten des Alltags dann auch mein Leib und Magen-Satz weiter.

Zitat Benn: «Wie wehren uns dagegen, unsere künstlerischen Arbeiten durch politische Bemerkungen oder Stimmungen oder Stellungnahmen (…) als kompromittiert betrachten zu lassen. Wer Kunst macht, ist stigmatisiert, ist anfällig, ist im bürgerlichen Sinne nicht ernst zu nehmen. Wer Kunst macht, ist kein Stadtverordneter. (…) Schönheit ist seltener als Uran, wer will, kann ihr aus dem Weg gehen, wer politisch arbeiten will, kann über sie hinwegsehen.»

Ob ich Kunst mache? Die Frage musste ja kommen. Sagen wir es so: Die Schreiberei hilft über die Momente der Vergeblichkeit hinweg und trägt dazu bei, die Lage zu erkennen.

Kommentare (0)

Rätsel Nr. 25 «Wer ist es?»

13. Januar 2019

Und schon geht's weiter. Ganz einfach wird es nicht sein. Das bin ich Ihnen schuldig. Alsdann!
Weiterlesen