Aphorismen

Swinging Sixties and Barking Dogs

Politphilosoph Karl Kracher will jetzt lieber nicht beleuchten, ob die Politik auf den gauzenden Hund gekommen ist. Hingegen die Relationen zwischen den Swinging Sixties, Bullriding und Leinenpflicht, die schon.

Sie kennen doch den Schlager aus den Swinging Sixties? «Was so alles geschieht, in der Carnaby Street.» Gilt für London. «Was man nicht alles tut für einen Politikerhut.» Gilt für das Garnisons-Städtchen am Aarestrand. Da gibt’s einen Kandidaten erfüllt von müssiger Hoffnung auf ein Führungsamt, der den Dialog mit und die Nähe zur Wählerschaft sucht.

Man darf mit ihm sogar diskutieren und erst noch einen Grillplausch mit Bullriding gewinnen. Europa hat’s vorgemacht. Mein Gewinnvorschlag: Gratisbad im Neumarktbrunnen. Nein, geht auch nicht. Da baden schon die Hunde.

Apropos Hunde. Was haben die mit Politik zu schaffen? Eigentlich nichts oder nur dann, wenn Politik etwas mit Verordnungen zu tun hat. Zum Beispiel mit der aarg. Verordnung zum Jagdgesetz, § 21, Leinenpflicht für Hunde (§ 19 AJSG): 1 Hunde sind im Wald und am Waldrand vom 1. April bis 31. Juli an der Leine zu führen. In der übrigen Zeit können Hunde auf Waldstrassen unter direkter Aufsicht ohne Leine geführt werden.

Jogger und Spaziergänger wissen es. Bis zwei Drittel der Hundehalter - ja auch Frauchen - ignorieren diese Vorschrift mit phantasievollen bis hirnvernagelten Ausreden. Wen wundert’s dann, wenn in R. ein Reh gerissen und in einem anderen R. ein Arzt in die Hände gebissen werden. Kracher zitiert da gerne Sulzranmo, einen E-Paperkommentator in der AZ: «Es ist mir ein Rätsel für was Hunde gut sind. Blinden-, Drogen- und Lawinenhunde etc. ausgenommen.»

Man kann auch wieder mal Tucholsky lesen, das Traktat über den Hund, sowie über Lerm und Geräusch. Interessant ist auch eine reimtheoretische Erkenntnis: Im Begriffsumfeld von Hunden gibt es mindestens drei Verben, die auf … eissen enden.

Kommentare (3)

Carl v. Ossietzky am 27.05.2017 18:14

Dem gestrengen Urteil des Herrn Redakteur Roman Huber über Herrn Tucholskys alias Peter Panters «Traktat über den Hund, sowie über Lerm und Geräusch» darf man gelassen widersprechen. Noch sinnreicher ist es vielleicht, wenn wir der kritischen Leserschaft den Wortlaut dieser Satire zuführen und mitentscheiden lassen, ob ihr literarischer Gehalt tatsächlich der Nähe von Toiletten und Kanalisationen zugeordnet werden darf. Siehe: http://www.textlog.de/tucholsky-traktat-scherz.html

Klaus Huber am 26.05.2017 09:49

Die beste Ausrede, die ich von einer Hundehalterin (mit grossem Hund) erhalten habe: «Mein Hund hat Angst vor einem Reh.»

Roman Huber am 25.05.2017 21:08

Ein guter Journalist schreibt nie über etwas, wovon er nichts versteht. Schade, Herr Tucholsky. Wohl im Wissen darum hat er sich hinter einem Pseudonym verstecken müssen. Das Traktat erreicht - um an Ihre reimtheoretische Erkenntnis anzuknüpfen - leider nicht einmal den Gehalt aus dem erwähnten Begriffsumfeld: "Hunde...eisse".