Aphorismen

Was ist das, Heimat?

Im Aargau geht die Frage um: «Was bedeutet Euch Heimat?»

Mal überlegen: Also Fahnenschwingen, Jodeln und Sackgumpen eher nicht, obwohl, wem dies das Herz erwärmt, warum nicht?

Auch das eigene Heimetli, ein Schrebergarten oder ein Waldfest, also die kulinarische Variante, auch die wären nicht zu verachten.

Aber die nun als unabdingbares Ingredienz für Heimat sehen zu wollen, das dann doch nicht.

Weit eher hat Heimat mit Sprache zu tun, mit der ureigenen Mundart vor allem, aber auch damit, sich zugleich in sogenannten Fremdsprachen tummeln und wohlfühlen zu können. Und ab und zu vaterländisch fluchen zu dürfen. 

Heimat ist wohl dort, wo sich die Menschen verstehen und sich einig sind über gewisse Grundwerte. Das was die Freiheiten, eine gesunde Unabhängigkeit und die persönlichen Rechte einschliesst.

Oder einfach auf dem Geissberg zu stehen und in den Tafeljura zu schauen.

Kommentare (3)

François de la Rochefoucauld am 23.05.2017 08:33

Der Accent des Landes, in dem man geboren ist, wohnt im Geist und im Herzen, wie in der Sprache.

Ernst Bannwart am 22.05.2017 09:50

Dass Du das Thema gerade jetzt aufnimmst - ich war am Samstag gwundershalber in der Stapferhaus-Ausstellung zum Thema Heimat - und ich fand die Umsetzung doch recht unterhaltsam. Und schon sind wir da wieder beim Selfie - Heimat ist dann letztlich so individuell wie der Besucher selbst - geprägt durch den eigenen Lebensrucksack. Oder noch anders gesagt, ein schöner "Hygienefaktor" - merken tut mans erst, wenn man ihn bzw. sie - die Heimat - auf die eine oder andere Weise verloren hat...

Roy Tribaldos am 21.05.2017 11:55

Was ist Heimat für Ausgewanderte, Daheimgebliebene, Mittellose (egal wo), Reiche, Kriegsgeschädigte, Sieger, Betrogene, Betrügende, zutiefst Religiöse, Andersgläubige, Atheisten, Ausgestossene, angenommene Flüchtlinge, Ausgeschaffte, Einzelkinder, Sensible, Stehaufmenschen, Versager, Grossfamiliensprösslinge, Demenzkranke, bewusst Sterbende, Geliebte Menschen, Verhasste, Gebildete, Ignoranten, Schwarze im Land der Weissen, Indios im eigenen Land, Vagabunden, Clochards, Abenteurer, hartgesottene Politiker? Wie nimmt man Heimat wahr, je nach Alter, als Städter oder aus der Provinz, nach welchen schicksalhaften Ereignissen? Heimat ist Chimäre in der Ferne, aber auch Realität am Stammtisch. Heimat ist da, wo meine Frau ist. Heimat ist anders für Migranten als für deren Kinder. Heimat kann viel und wenig zugleich sein. Heimat ist Geruch, Geschmack, Melodie, Lichtwahrnehmung, geistige Wärme, Entfremdung. Heimat ist so viel, dass es sich lohnt, ihr gegenüber kritisch zu stehen, besonders, wenn man glaubt, sie zu lieben...